Article

Brüssel Grande Place

Belgien: Love & Misery

Irgendwie ist es immer wieder das Gleiche: Kaum ist man über die Grenze des Landes, werden die Straßen schlechter, der Himmel wird dunkler, alle paar Kilometer findet man geplatzte Autoreifen an der Fahrbahn liegen – spätestens jetzt weiß man, man ist in Belgien angekommen.

Belgien ist wohl für kaum jemanden Sehnsuchtsort. Was bringt Traveltastic also dazu ausgerechnet dieses Land, in dem es scheinbar immer regnet und das eines der höchsten Selbstmordraten Europas hat, zu einem Fantastic Place auszurufen?

Ganz einfach: Belgien ist wunderbar kontrovers! Wer hier mal eine längere Zeit verbracht hat, der weiß: Dieses Land liebt und hasst man zugleich.

Über Belgien kann man sich fantastisch streiten und in Belgien wird sich auch täglich mit Eifer gestritten. Das liegt zum einen an den scheinbar nicht zu vereinbarenden wirtschaftlichen Verhältnissen des “reichen-flämischen” Nordens und des “armen-wallonischen” Südens. Zum anderen daran, dass hier viele unterschiedliche Mentalitäten aufeinander prallen: België, La Belgique, Belgien. Allein schon die drei offiziellen Amtssprachen, Niederländisch, Französisch und Deutsch kosten viel Zeit und Kraft, um in diesem so kleinen und unauffälligem Land etwas voranzubringen.

“Einigkeit macht stark” ist der Wahlspruch des belgischen Königreichs. Geradezu satirisch wirkt dieses Leitmotiv in den nicht seltenen Zeiten, da dem Land eine Regierung komplett fehlt. So zerstritten ist man häufig. 2011 war Belgien 541 Tage ohne Regierung.

Und als wären die eigenen Probleme im Land noch nicht genug, gesellt sich mit dem Sitz der Europäischen Kommission in Brüssel ein ganzer Haufen weiterer, unterschiedlicher Problematiken und Interessen hinzu.

Titel: Charlemagne is back in Europe Quelle: Eddy van 3000 auf flickr.com
Titel: Charlemagne is back in Europe Quelle: Eddy van 3000 auf flickr.com

Wie es aber so häufig der Fall ist: Aus großer Misere wächst große Kraft! Belgien ist innovativ, kreativ und mutig. Das zeigt eine aufstrebende und sehr individuelle Kunst- und Kulturszene, die sich besonders in den Straßen der Hauptstadt an jeder Ecke entdecken lässt.

Wer hier wachsam durch die Straßen geht, findet außergewöhnliche Graffitis oder Installationen. Nicht selten kommt es vor, dass von einem auf den anderen Tag riesige Schaukeln auf öffentlichen Plätzen aufgestellt werden oder Fotoboxen. Einfach so und einfach zum Spaß.

Spaß haben können die Belgier übrigens hervorragend. Mit Vorliebe macht man sich über sich selbst lustig: Tim und Struppi, von dem waschechten Brüssler Hergé gezeichnet, ist nur ein Beispiel für den klassisch-belgischen Humor.

Gerne gelacht wird auch über die außerordentliche Faulheit und Unorganisiertheit des typischen Belgiers. Im doppelten Sinne bewundernswert und löblich ist folglich, dass Belgien das einzige europäische Land ist, in dem es zweimal im Jahr einen autofreien Sonntag gibt. Ein Tag, an dem auf der Straße flaniert, geradelt und gefeiert wird.

Apropos: Das Feiern ist ein weiteres Steckenpferd Belgiens. Im Sommer reiht sich ein Festival an das nächste: Tomorrowland, Rock Werchter und das Dour Festival sind weit über die Ländergrenzen weg bekannt. Wachsender Beliebtheit erfreut sich auch das mitten in Brüssel stattfindende Couleur Café. Jedes Jahr wird hier bis spät in die Nacht zu afrikanischer, karibischer und lateinamerikanischer Weltmusik die Hüfte gewackelt.

Und so ist auch einer der Best Places in Brüssel der Place und die Halles Saint-Géry im Zentrum. Angesagte Brasserien, Restaurants und Bars ziehen Nachtschwärmer magisch an. Bekanntschaften lassen sich in Brüssel schnell machen: Man ist ja schließlich an internationale Besucher gewöhnt.

Das Must-See in Brüssel ist der Ausblick vom Vorplatz des Palais de Justice über die Stadt. Denn auch architektonisch ist die Hauptstadt ungeplant, wild und bunt zusammen gemischt worden: Jugendstil reiht sich an Plattenbau und Design-Hochhäuser der Europäischen Kommission.

Brüssel Jugendstil
Titel: Brussels – Attractive Exterior (Rue Darwin) Quelle: William Murphy auf flickr.com
Brüssel Botanischer Garten
Titel: Royal Greenhouses in Laeken Quelle: Anna & Michal auf flickr.com

Für den traveltastischen Geheimtipp muss man sich an die Küste nach Knokke-Heist bewegen. Hier warten Dünen, lange, weiße Sandstrände, ein atemberaubend schönes Naturschutzgebiet, Reiterhöfe und Wassersportarten aller Art auf einen.

Glück und Unglück liegen in Belgien dicht beieinander: Landschaftlich auf so wenigen Kilometern abwechslungsreich, mit wirtschaftlichen Hochburgen wie Antwerpen und Brüssel, mit Tourismus-Magneten wie Brügge und Gent, könnte man politisch geeint tatsächlich noch viel mehr erreichen.

Was wir sonst noch sagen wollten:

  • Abseits von geschmackvollen Jugendstilbauten gibt es in Belgien architektonisch auch erstaunlich viel Gräßliches zu entdecken! Ein extra eingerichteter Tumblr spricht Bände…
  • Einen schönen Eindruck von Antwerpen vermittel Euch folgender Artikel von brave bird

 

Titlebild: Grande Place Quelle: Maria Firsova auf flickr.com

 

Leave a reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

coolgoodeh love2 cuteconfusednotgoodnumbdisgustingfail