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Favelas in Rio

Hoffnungsschimmer in der „City of God“

Die Copacabana und der Samba sind die sonnigen Seiten des Lebens in der brasilianischen Millionenmetropole Rio de Janeiro. Die Favelas zeichnen allerdings ein düsteres Bild: Armut und Elend in Rios Trabantenstädten begünstigen Gewalt, Kriminalität und Drogenprobleme. Davon erzählt auch der brasilianische Film „City of God“. Trotz aller Gewaltszenen lässt er am Ende hoffen. Ich habe mir den Film für Euch angesehen und stelle ihn Euch als „fantastic Movie“ in unserer Brasilien-Serie vor.

Zum Hintergrund

  • Deutscher Filmtitel: City of God
  • portugiesischer Originaltitel: Cidade de Deus
  • erschienen: 2002 (Deutschland: 2003)
  • Länge: knapp über zwei Stunden
  • Regie: Fernando Meirelles und Kátia Lund
  • Filmmusik: Ed Cortês und Antonio Pinto.
  • Drehbuch: Bráulio Mantovani.

Das Drehbuch zum brasilianischen Krimidrama beruht auf dem gleichnamigen Roman des Autors Paulo Lins von 1997. Bei der musikalischen Untermalung gelingt ein Mix aus Samba- und Funk-Elementen. Die Geschichte kommt nicht zuletzt deshalb so echt rüber, weil die meisten Rollen mit jugendlichen Schauspielern aus den Armenvierteln Rios besetzt sind. Der einfache und frei improvisierte Sprachstil verdeutlicht noch einmal die soziale Herkunft der Akteure. So gut wie jeder trägt einen Spitznamen, mit dem er ausschließlich angesprochen wird.

Auch szenisch ist der Film interessant. Der Zuschauer folgt den Erzählungen aus der Perspektive von Buscapé, der selten aktiv in Erscheinung tritt und keinen einzigen Schuss inmitten der Gewaltszenerie abfeuert. Mehrere Szenen tauchen im Laufe des Films wiederholt aus verschiedenen Blickwinkeln auf.

Worum es sich eigentlich dreht

Buscapé erzählt vom unwirtlichen Leben in der staubigen Favela Cidade de Deus. Diese gehört zum Vorort Jacarepaguá im Westen Rios und ist eine am Reißbrett entworfene Trabantenstadt, in der vor allem Landflüchtlinge ihr Glück suchen. Wohlstand finden sie in diesem Armenviertel allerdings nicht, sondern rutschen vielmehr in die Unterschicht ab. Die im Film geschilderten Ereignisse sollen auf wahren Begebenheiten beruhen und dürften sich zwischen den 1960-er und 1980-er Jahren abgespielt haben. Der Erzähler erlebt in der Stadt Gottes seit seiner Kindheit prekäre Wohnsituationen und Bandenkriege. Es scheint, als ob sich an den Verhältnissen nie etwas ändern könnte.

„So ist das wenn Dein Bruder ein Gangster ist. Man kriegt vom Ärger immer was ab.“ Das ist die Ausgangsposition des Erzählers. Buscapé’s Bruder Marreco ist Mitglied der Wild Angels. Auf ihren Raubüberfällen erbeutet die Gang immer wieder Geld. Die Brutalität eskaliert in dem Moment, als die Bande ein Motel überfällt und der achtjährige Bandenführer Löckchen dabei alle Menschen im Haus erschießt. Das ist der Tag, an dem er seine Mordlust entdeckt. Zehn Jahre später dealt Löckchen gemeinsam mit seinem Freund Bené im großen Stil mit Drogen. Das tun sie in eigens dafür vorgesehenen Wohnungen. Die Konkurrenz auf ihrem Revier räumen Bené und Löckchen aus dem Weg. Von Bené’s Gnaden bleibt allerdings der Dealer Karotte übrig. In seinem Größenwahn wird aus Löckchen Locke, der Gangsterboss im Viertel.

Bené und seine Freundin Angélica wollen die Gegend verlassen, um sich der alltäglichen Gewalt zu entziehen. Auf der Abschiedsparty kommt es jedoch zum Eklat. Im Affekt wird Bené erschossen, der Mordversuch galt jedoch Locke. Karotte schmiedet gemeinsam mit Mané Rachepläne, der Bandenkrieg tobt.

„Das Leben in der Stadt Gottes war das Fegefeuer, jetzt ist es zur Hölle geworden.“

Und der Erzähler Buscapé? Sein größtes Hobby ist die Fotografie. Auf seiner Kamera hält er die Vorgänge im Viertel fest. Er arbeitet als Kurrierfahrer bei einer Zeitung. Im Fotolabor der Redaktion entwickelt er privat seine Aufnahmen und vergisst sie dort. Somit landet der Verbrecher Locke in den Schlagzeilen. Buscapé wird ein Traumjob angeboten, wenn er mehr Bilder liefert. Er wollte ja schon immer als Fotograf arbeiten. Es ist klar, dass er dafür sein Leben auf’s Spiel setzen muss.

Gegen Ende des Films setzt eine Schießerei zwischen den Banden und der Polizei ein, nach der Locke und Karotte verhaftet werden. Ersterer wird freigelassen, da der Polizist auch Waffenhändler ist und mit Locke noch eine Rechnung offen hat. In der Zwischenzeit übernehmen Kinderbanden das Feld. Einer der „Zwerge“ erschießt Locke, um sich dessen Machtbereich zu sichern. Damit kann das ganze Spielchen von vorne losgehen.

Buscapé macht Bilder von Locke’s Freilassung und dessen Tod. In der Zeitung erscheint nur das zweite Foto, das unserem Erzähler und Fotografen immerhin zu einem Praktikum verhilft.

Der Film erwarb sich internationale Anerkennung und trat eine Debatte über die Missstände in Rios Favelas los. Das erschreckendste sind wohl die bewaffneten und schießwütigen Kinder, die selbst auch auf keinerlei Schonung hoffen dürfen. Sie diskutieren am Schluss, wer als nächster erschossen werden soll. Damit folgen sie ihren Vorbildern, die die City of God in ein erbarmungsloses Anarchiemodell verwandelt haben.

 

Titelbild: favelascape Quelle: Alex auf flickr.com

 

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