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POSTMILK-

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GENERATION… NICE TO MEET YOU

Januar 2019: Ich bin jetzt Teil der #postmilkgeneration. Und damit einer von vielen. Einer von vielen stolzen, mit dem Vegan-Trendstrom schwimmenden Fische. Ja, vegan sein boomt. Und das ist ein verdammt gutes Omen für die Zukunft der Menschheit.

 

Ist vegan das neue vegetarisch?

Vegetarier sein ist und war immer normal. Darüber brauchte man kein Wort verlieren. Beinah jedes Restaurant bietet vegetarische Menus. Und selbst Großeltern tun sich leicht damit, neben der sonntäglichen Kohlroulade Veggie-Burger für das Enkelkind zu servieren.

Seit etwas über 10 Jahren ernähre ich mich vegetarisch. Warum? Ich bin Anti-Massentierhaltung und könnte (aktuell) nicht auf ein Lebewesen mit pochendem Herz schießen.

 

Der Unterschied zwischen uns und denen, diesen Tieren, ist mir einfach zu klein.

I milked an almond cow

Veganer… das sind diese blassen Super-Ökos und radikalen Peta-Supporter. Zu öko und radikal für den deutschen Durchschnitt, wie mich – das dachte ich zumindest immer.

Und was gab es auch schon für einen Grund vegan zu leben? Milch ist doch gesund und für Milch muss doch auch kein Tier sterben.

 

 

Glaubt man Instagram sind Veganer heute schlank, gesund, schön, inspirierend, Weltverbesserer mit top Blutwerten. Ein attraktiver Club.

Vom Vegetarier zum Veganer ist es kein langer Weg. Tatsächlich ist der Weg so kurz, dass ich mich ernsthaft frage, warum ich ihn nicht schon viel früher beschritten habe. 

 

„Auf Käse könnte ich niemals verzichten!“ – eine Aussage, die nur noch leise in meiner Erinnerung nachhallt.

Vegan dank Nahrungsergänzungs-mitteln? Fehlanzeige!

Worauf man alles verzichten kann, lernt man erst, wenn man tatsächlich damit anfängt. Dem Vegan-Boom sei dank, kann ich jetzt sagen: Auf Käse zu verzichten ist wirklich easy peasy! In beinah allen Supermärkten findet sich jede Milch-Alternative, die ein normaler wöchentlicher Essensplan so verlangt. Vegane Pizza, veganer Käse, vegane Schokolade, vegane Kekse und Backwaren – alles kein Problem und gleichwertig lecker. Ein bisschen teurer, was sich aber nur positiv auf meine Schoko-Sucht auswirkt.

Neben meiner scheinbar unendlichen Leidenschaft zu Käse, lebte ich bis vor kurzem auch noch in dem Glauben, mein Körper (zum Beispiel meine Knochen) bräuchte tierische Proteine. Zu sehr verinnerlicht hatte ich seit meiner Kindheit die Worte meiner Eltern jeden Morgen ein Glas Milch trinken zu müssen. Das sei gut für die Knochen! Pure Milch am frühen Morgen fand ich schon immer ekelig und war viele Jahre ein morgendlicher Streitpunkt in unserer Familie.

Als ich schwanger wurde und mir, wie viele Erstmütter, keinen Fehltritt erlauben wollte, kehrte ich dem Vegetarismus den Rücken zu. Eisenmangel etc – das hört man, sei nichts ungewöhnliches während der Schwangerschaft. Ich hatte keine Lust auf Nahrungsergänzungsmittel und deren etwaige Nebenwirkungen. Bis dato hatte ich immer top Blutwerte gehabt. Nie hatte ein Arzt sehen können, dass ich mich Fleisch-frei ernährte. Trotzdem wollte ich gebrainwasht von Hausärzten kein Risiko eingehen. 3 Monate nach der Entbindung hatte ich dann zum ersten Mal in meinem Leben Folsäure-Mangel. Trotz wöchentlichem Burger-Essen. So ganz überraschend kam das Ergebnis für mich allerdings nicht: Burger gegen Veggie-Bowl zu tauschen war mir ehrlicherweise von Anfang an nicht richtig vorgekommen.

Ich stellte meine Ernährung sofort wieder um. Ein zweiter Bluttest kam unauffällig zurück. Etwa zur gleichen Zeit fiel mir How Not to Die von Dr Michael Greger und sein Kochbuch in die Hände. Bitte lest es! Dieses Buch hat meine Überzeugungen, was unser westliches Gesundheitssystem (nicht) leistet komplett auf den Kopf gestellt. Mein Konzept davon, was ausgewogene Ernährung ist, erhielt ein unwiderrufliches Update. Der zugegebenermaßen sehr wissenschaftlich aufgebaute Wälzer trommelt nicht die „Du musst vegan leben-Pauke“ – und doch lässt er kaum einen anderen Schluss zu.

Warum trinken wir Milch?

Während Luan selig an meinen Busen nuckelte, trieb mich diese Frage bis in die Nacht hinein um. Wie ich und alle anderen Säugetiere, produzieren Kühe ihre Milch für ihre Babys. Ich hatte darüber vorher noch nie nachgedacht, aber jetzt, da ich selbst Milch gebend war, kam es mir mit einem Mal merkwürdig vor, noch als Erwachsene Milch voller Wachstumshormone zu trinken. Von einem artfremden Säugetier. Einer anderen ausgebeuteten Mutter zur Milchmaschine umfunktioniert. Peta lässt grüßen.

Woher kommt unsere Milch?

1. Von auf Hochleistung gezüchteten Milchkühen.

Normalerweise produziert eine Kuh 8 Liter Milch pro Tag. Heute schaffen manche Kühe bis zu 50 Liter.

2. Milchkühe werden häufig mit Antibiotika behandelt…

und mit unnatürlichen Kraftfutter aus Getreide, Mais und Soja gefüttert. Euter-Erkrankungen, Labmagenverlagerung, Lahmheit oder Fertilitätsprobleme sind daher keine Seltenheit. Die Bakterien bleiben auch noch in der Milch, die wir konsumieren erhalten. In Deutschland gibt es eine Richtgrenze, wie hoch der Anteil dieser Bakterien pro Milliliter sein darf. Enthalten bleiben die Bakterien deswegen trotzdem.

3. Unsere Milch ist die Milch der Kälber, …

die den Mütterkühen nach neunmonatiger Tragezeit innerhalb der ersten Lebensstunden wieder weggenommen werden. Kalb und Muterkuh schreien noch tagelang nacheinander. Und auch der weitere Schicksalsverlauf der Kälber sieht alles andere als rosig aus (mehr dazu auf der unten verlinkten Peta-Seite).

4. Die allermeisten Milchkühe verbringen ihr komplettes Leben im Stall

angebunden auf Betonböden. Sorry, komplettes Leben ist hier wahrscheinlich irreführend. Eine Milchkuh wird nach vier bis fünf Jahren wertlos und geschlachtet. Die Lebensspanne einer Kuh in „freier Wildbahn“ beträgt hingegen 20 Jahre.

Quelle: https://www.peta.de/milch-hintergrund

Milch unter der Gesundheitslupe

Dr Michael Greger legt Studien vor, die Molkerei-Produkte in Zusammenhang mit folgenden (Volks)-Krankheiten bringen:

  • Asthma
  • Bluthochdruck
  • Akne
  • Impotenz
  • frühzeitige Pubertät
  • Krebs (speziell Prostata-Krebs)
  • Knochen- und Hüftbrüchen
  • vorzeitiger Tod
  • Herzerkrankungen
  • Flatulenz
  • Parkinson- und Huntington-Krankheit

Angesichts der Herkunft unserer Milch kein Wunder, oder?

 

Außerdem: 

#yournota-babycowbro

Irgendwie logisch, dass uns Milch nicht gut tun kann, oder?

Es bleibt wissenschaftlich belegt: Tierische Milch macht uns krank. Und unsere Umwelt ebenso.

Milch und ihr ökologischer Fußabdruck

Man kann den Klimawandel nicht bekämpfen ohne einen Systemwandel in der Milch- und Fleisch-Industrie in Erwägung zu ziehen. Kuhmilch hat nun mal einfach im Vergleich zu pflanzlicher Milch den ökologischen Fußabdrucks eines Dinosauriers.

Und wenn ich Dinosaurier sage, dann auch in der Hoffnung, 

dass die Milch- und Fleischindustrie in ihrer heutigen Form eines Tages der Vergangenheit angehören wird. Laut der Factsheets der Heinrich Böll Stiftung wäre dies, um das Überleben unserer Art zu sichern auch dringend notwendig.

 

Allein die fünf größten Fleisch- und Milchkonzerne emittieren mehr Treibhausgase als Exxon, Shell oder BP.

Oder anders ausgedrückt die 20 größten Fleisch- und Milchkonzerne emittieren mehr als Deutschland.

Wirft man einen Blick auf den prognostizierten Wachstum der Fleisch- und Milchindustrie sieht es für die Ziele des Pariser Klimaabkommens schließlich ganz dunkel aus. 2050 hätte ein unregulierter Wachstum dieser Industrien zur Folge, dass jene alleinig für 81% der weltweit maximal erlaubten Emissionen verantwortlich wären.

which milk should I drink bbc infografik

 

Kann Veganismus die Welt retten?

Infografik Emissionen Fleisch- und Milchindustrie und Ölkonzerne

Natürlich nicht. Vielleicht wenn alle mitmachen würden? Vielleicht. Um es mit Robert Musil zu sagen: „Wo es Wirklichkeitssinn gibt, muß es auch Möglichkeitssinn geben“. Ohne staatliche Regulierungen ist letztendlich auch die zu 100% umweltbewusst lebende Privatperson – selbt in millionenfacher Ausführung – nicht mehr und nicht weniger als ein wichtiges Zeichensetzen. Hierzu empfehle ich den erst vor kurzem in der Zeit veröffentlichen Artikel Ich habe kein schlechtes Gewissen mehr zu lesen.

Infografik, die unseren Milchkonsum dem Klimaabkommen gegenüberstellt

Zurück zu mir und der #postmilkgeneration

 

Mein jegliches Tun hat eine Auswirkung. Und wenn diese Auswirkung auch noch so unsichtbar und klein sein mag.

Ich glaube, dass es sie gibt. Und dann ist da eben noch mein Gewissen – es bereitet mir, und eben scheinbar einer ganzen Generation, ein schlechtes Gewissen, Teil von etwas zu sein, dass sich mit unseren ethischen Überzeugungen nicht vereinbaren lässt. Basta!

Infografik zur Milch- und Fleischindustrie

Comments (2)

  1. Ich bin ganz deiner Meinung! Mein Mann und ich haben auch der Kuhmilch entsagt und sind jetzt sehr glücklich mit Hafermilch! Ich kenne auch das von dir erwähnte Buch, auch wir haben einiges daraus in unser tägliches Leben übernommen, kann ich nur empfehlen!!

    1. Ich glaube „How not to die“ gehört mittlerweile wirklich zur Standardlektüre aller Veganer 😀

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